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Totems in der Garrigue.
von W.Volk im Juli
2001
Im Berufsleben war Jürgen Paqué als Ingenieur mit der Raumfahrt beschäftigt, war mit seinen Fähigkeiten sozusagen für das Leben im All tätig, gewissermaßen für das Leben außerhalb der Erde und hat sich nun als Rentner mit seinen Interessen mehr den irdischen Dingen zugewandt. Mit Wanderungen zu Fuß, der lange beschwerliche Weg nach Santiago de Compostela
zeigt, daß er offenbar die Extreme liebt und sich nun eher verbunden mit der Erde fühlt.
Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn ihn seine körperliche Unruhe von Zuhause weg in die Landschaft treibt und dort in der Umgebung von Collorgues die Garrigue durchstreift. Die Garrigue hat es ihm angetan. Gerade weil sie sich recht spröde und abweisend gibt, lässt ihn das nicht ruhen. Sein Sinn für die Zusammenhänge, vom Detail zum Ganzen, läßt ihn nach Mitteln suchen, das Sinnenerlebnis Garrigue, aus dem Verborgenen ins Sichtbare zu holen und kreativ umzuformen.
Wer längere Zeit in der Garrigue wandert, umgeben von starrigen, stachligen Gewächsen und gleichzeitig dem Duft der Kräuter dort, auf steinigen Ziegen– und Jägerpfaden sich bewegt, umwoben vom Summen hungriger Insekten, immer weiter weg von der "Zivilisation", für den beginnt die Garrigue hörbar zu atmen. Die Sinneseindrücke vermischen sich zum Erlebnis Garrigue, zu einem Erlebnis von archaischer Tiefe.
Steine sind es, die die schmalen unsteten Ziegenpfade schwierig machen. Es sind die groben unbehauenen Steine die dort herumliegen, wie eruptiver "fallout", ausgespuckter Nachlass der Erdwerdung, die ihn beschäftigen. Sie sind es, die Ihn bewegen, Spuren menschlicher Existenz in dieser ursprünglichen Wüste Garrigue zu hinterlassen.
Er gibt den einzelnen Steinen Bedeutung, eine höhere Existenz, setzt sie aufeinander zu teilweise riskanten Kompositionen, richtet sie auf zu einer Figur, zum Symbol für die Überwindung der Schwerkraft. Steine werden so Teil einer Figur, die als Ganzes wiederum einen höheren Symbolgehalt erhält durch ihre Deutbarkeit.
Er scheut sich nicht, auch gewagte Anordnungen zu komponieren. Seine Lust am Experiment läßt ihn Versuche angehen, die Naturgesetze der Statik zu überwinden, indem er schwere Steine den Eindruck des Schwebens vermitteln läßt. Es ist der uralte Kampf der Menschen gegen Naturgesetze, der sich hier dokumentiert.
So entstanden aus einer glücklichen Mischung von Spiel und Kreativität Steinmale, die den ursprünglichen, unsichtbaren tiefen Ton dieser Urlandschaft begleiten. Die archaisch wirkenden Figuren und Kompositionen geben dort der Garrigue eine neue Qualität.
Die Garrigue hat nun ihre eigenen Wächter aus Gestein geboren, hat ihre eigenen Totems.
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